Besucherlenkung im Allgäu

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Besucherlenkung im Lebens- und Urlaubsraum Allgäu

Seit Jahren gewinnt das Allgäu als Urlaubsregion für deutsche und internationale Gäste an Beliebtheit. Die Gäste- und Übernachtungszahlen steigen von Jahr zu Jahr. Auch für die Einheimischen ist die Region ein beliebtes Naherholungsgebiet. Der Corona-Sommer 2020 (und wahrscheinlich auch 2021) hat den Trend zum Urlaub im eigenen Land nochmals verstärkt. Der Tourismus im Allgäu leistet als Querschnittsbranche einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung und somit zum wirtschaftlichen Erfolg und zum Wohlstand in der Region. Neben dem Erfolg sind aber auch negative Effekte zu spüren. Der zunehmende motorisierte Individualverkehr wird zur Belastung für Mensch und Natur. Ausweitungen der (touristischen) Infrastruktur werden von Interessensgruppen kritisch hinterfragt. Einheimische fühlen sich überrannt und zeigen ihren Unmut laut und deutlich gegenüber den politischen Entscheidern und Verantwortlichen.

Der Tourismus in der Region bewegt sich also im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen einerseits und sozialer und ökologischer Tragfähigkeit andererseits.

Ziel der touristischen Entwicklungen sollte es sein, das Allgäu als attraktiven Lebens-/Arbeits- und Urlaubsraum zu erhalten und die Region nachhaltig (sozial, ökologisch und ökonomisch) für die Zukunft fit zu machen.

Forschungsansatz

Obwohl der Ruf nach Lenkungsmaßnahmen in letzter Zeit immer lauter wird, möchten wir die „Lenkungs-Pille“ nicht voreilig und ohne gründliche „Anamnese“ verschreiben. Der alleinige Fokus auf ein (vermeintliches) Zuviel an Besuchern ist unterkomplex und wird dem Anliegen – der Bewahrung eines attraktiven Lebens- und Urlaubsraums – nicht gerecht. Wir möchten nicht Symptome behandeln, sondern Ursachen – inwiefern Lenkungsmaßnahmen dazu geeignet sind, ist aktuell noch eine offene Frage.

In einem technologie- und maßnahmenoffenem Forschungsansatz wird deshalb zunächst der Ist-Zustand aus der Sicht verschiedener Interessengruppen und Stakeholder erfasst. Aus den Analysen und Ergebnissen werden Handlungsfelder definiert und Maßnahmen entwickelt. Da ein reiner Fokus auf die Exposition (z. B. Anzahl Gäste, Tourismusintensität, Flurschäden, Verkehrsaufkommen) oft zu rein technischen Maßnahmen (Parkleitsystemen, Empfehlungsmanagement via App etc.) verführt, schauen wir nicht nur auf die Exposition und auf die zeitliche und räumliche Verteilung der Gäste, sondern wir betrachten auch den Faktor Mensch. Wie können wir die Resilienz der Einheimischen erhöhen bzw. stärken, um besser mit einer hohen Tourismusintensität und vielen Gästen umzugehen.

Fragestellungen

  • Ist Besucherlenkung DAS Mittel der Wahl um diese Ziele zu erreichen? Was kann Besucherlenkung hier leisten bzw. nicht leisten?
  • Analyse der Chancen und Grenzen von Lenkungsmaßnahmen
  • Welche weiteren Optionen und Stellschrauben gibt es zur Stärkung der Tourismusakzeptanz und der sozialen und ökologischen Tragfähigkeit? (vgl. Resilienz-Ansatz)
  • Über technische Ansätze zur Besucherlenkung hinausdenken (vgl. Kontroll-Theorien, Gewöhnungseffekte/Desensibilisierung)