Publikationen

  1. Hochschule Kempten
  2. Forschung
  3. Forschungsinstitute
  4. BZPD – Bayerisches Forschungszentrum Pflege Digital
  5. Publikationen

Working Paper Series

Technology follows function? Zur Relevanz des Ansatzes menschzentrierter Gestaltung von Unterstützungssystemen für ältere Menschen

Povse, Karina

Kurzfassung

Digitale und technische Lösungen können ältere Menschen in der Aufrechterhaltung ihrer Selbstständigkeit, Autonomie sowie in der Ausübung alltäglicher Gewohnheiten und Routinen unterstützen, auch wenn Einschränkungen vorliegen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten und großes Potenzial hinsichtlich des nach wie vor vorherrschenden Wunsches, möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben zu können. Häufig sind es unterschiedliche Benutzer*innen, die ein gleiches System nutzen und dies u. U. oft über lange Zeiträume und unterschiedliche Gesundheitsphasen hinweg. Um im Sinne der Nachhaltigkeit solche Systeme möglichst lange nutzen und in alltägliche Routinen der Endnutzer*innen integrieren zu können, darf zudem nicht außer Acht gelassen werden, dass sich dadurch die Anforderungen (baulich, technisch, sozial) an ein technisches System verändern können, welches sich äußeren Gegebenheiten flexibel anpassen können muss. Barrieren in Nutzung und Akzeptanz können sowohl von äußeren Faktoren als auch von persönlichen Vorstellungen, Prägungen etc. oder in Kombination beider Ursachen beeinflusst sein. Um Gründe der Ablehnung zu identifizieren und/oder (potenziellen) Benutzer*innen den Zugang zu diesen Systemen zu erleichtern, ist es wichtig, die Motive betroffener Personen besser zu verstehen, indem diese anhand entsprechender Gestaltungsansätze so früh wie möglich einbezogen werden. Diese Arbeit stellt einen Überblick über die Komplexität möglicher Gründe der Nicht-Nutzung technischer Assistenzsysteme bzw. Unterstützungssysteme im häuslichen Kontext aus Perspektive älterer Menschen als Endnutzer*innen dar. Dazu wurde Literatur, die sich mit Gründen der Nicht-Nutzung und Akzeptanz digitaler bzw. technischer Lösungen im Themenkomplex älterer Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf beschäftigt, recherchiert, ausgewertet und daraus Schlussfolgerungen zur Relevanz von lösungs- und menschorientierten Entwicklungsansätzen abgeleitet.

 

Abstract

Digital and technical solutions can help older people to maintain their independence and autonomy and to continue their everyday habits and routines, even if they face limitations. This opens up new possibilities and great potential with regard to the perennial wish to stay living within our own four walls for as long as possible. Frequently, different people use the same system – under certain circumstances, often for extended periods and in different stages of health. With sustainability in mind, in order to maximise the time for which these systems can be used and integrated into the daily routines of end users, the changing demands (in construction, technological and social respects) that this presents on the technical system must also be borne in mind, so they must be flexible enough to adapt to external parameters. Barriers to the use and acceptance of such systems can stem from both external factors and people’s own ideas, imprinted mind sets, etc., or a combination of both. In order to identify reasons for rejection and/or make these systems more accessible to (potential) users, it is important to improve our understanding of their motives by involving them as early on as possible in the relevant aspects of the design process. This work presents an overview of the complex range of possible reasons for not using technical assistance systems / support systems at home from the perspective of older people as the end users. The methodology involved researching and evaluating existing literature that examines the reasons for not using or accepting digital / technical solutions, in the context of older people with care and support needs in order to derive conclusions on the relevance of solution-oriented and human-centric approaches to development.

Potenziale und Anwendungsszenarien künstlicher Intelligenz in häuslichen Pflegearrangements im Kontext einer alternden Gesellschaft

Karl, Alexander

Kurzfassung

Künstliche Intelligenz (KI) ist in unserer Gesellschaft als omnipräsente Technologie angekommen. Dabei hat die KI das Potenzial, die pflegerische Versorgung in privaten Haushalten stark zu verändern und etablierte Prozesse der häuslichen Pflege älterer Menschen positiv zu beeinflussen. Im Zentrum dieser Literaturarbeit steht die Frage, welche Potenziale und Anwendungsszenarien der KI im häuslichen Pflegearrangement identifizierbar sind, um betroffene Akteure im Pflegesetting zu entlasten. Zudem wird aufgezeigt, welche Herausforderungen mit der Implementierung von KI einhergehen. Zu Beginn werden die relevanten Begrifflichkeiten (KI, maschinelles Lernen, Deep Learning) voneinander abgegrenzt und definiert. Darüber hinaus werden ausgewählte Anwendungsszenarien für die Pflege beschrieben (Sturzereignisse vorhersagen, Touren- und Einsatzplanung ambulanter Pflegedienste) und deren Potenziale kritisch beleuchtet. Es erfolgt eine Diskussion der konkreten Herausforderungen und Chancen, die bei einer Implementierung von KI-basierter Technologie entstehen. Abschließend werden Forschungsdesiderate aufgezeigt und resümiert, dass KI-Anwendungen in der häuslichen Pflege bzw. im Kontext der Versorgung älterer Menschen, welche über die im Alltag bereits etablierten Technologien hinausgehen, hierzulande noch immer Nischentechnologien sind.

 

Abstract

Artificial intelligence (AI) has arrived in our society as an omnipresent technology. Thereby, AI has the potential to change nursing care in private households and to positively influence established processes of home care for older people. This literature review focuses on the question which potentials and application scenarios of AI can be identified in the home care arrangement to relieve the affected actors in the care setting. In addition, the challenges associated with the implementation of AI will be highlighted. At the beginning, the relevant terms (AI, machine learning, deep learning) are defined. In addition, selected application scenarios for nursing care are described (predicting fall events, tour and deployment planning of outpatient nursing services) and their potentials are critically examined. Specific challenges and opportunities that arise when implementing AI-based technology are discussed. Finally, research desiderata are identified and it is concluded that AI applications in the context of ageing and care, which go beyond the technologies already established in everyday life, are still niche technologies in this country.

Freiwilliges Engagement im Kontext von Pflege und Digitalisierung. Aktuelle Befunde, Trends und Forschungsperspektiven

Geiselhart, Jochen / Dr. Wörle, Tobias

Kurzfassung

Vor dem Hintergrund des Pflegenotstandes wird in den letzten Jahren verstärkt der Einsatz ehrenamtlich und freiwillig engagierter Bürger*innen zur Entlastung Pflegender diskutiert. Zum Spektrum pflegerischen Engagements lassen sich zwar generelle Eckdaten finden; jedoch scheint insbesondere über die Aufgaben und Funktionen, Zugangswege und Motive der Engagierten noch wenig bekannt zu sein. Auch die Rolle der Digitalisierung innerhalb dieses Feldes scheint unterbeleuchtet. Mittels einer explorativen Literaturdurchsicht wurden deshalb aktuelle Befunde und Desiderata zu diesen Bereichen gesichert, um daran anschließend eigene Forschungsperspektiven zu entwickeln. Die Aufgaben und Funktionen Engagierter in Pflegekontexten weisen eine beachtliche Bandbreite auf. Ähnlich wie zu anderen Bereichen scheint das pflegerische Engagement zunehmend intrinsisch motiviert. Es wird ein reflexiver Wandel hin zu kurzfristigerem Engagement attestiert. Hier scheint auch die zunehmende Digitalisierung eine Rolle zu spielen, denn die digitale Helfervermittlung durch Matching-Plattformen hält auch im Bereich des Engagements in pflegerischen Kontexten Einzug. Die Auswirkungen solch digitaler Zugangswege erscheinen ambivalent. Forschungsbedarf besteht nicht nur zu den tatsächlichen Entlastungseffekten, die man sich von digital gestützter Vermittlung Engagierter in Pflegehaushalte oder der Einbindung engagementbereiter Personen in lokale Sorgenetzwerke erhofft, sondern auch zu möglichen Schattenseiten wie der Monetarisierung des Engagements oder einer Deprofessionalisierung und Uberisierung professioneller Pflegearbeit.

 

Abstract

Against the backdrop of the crisis in care, the prospect of using unpaid helpers and volunteers to relieve the burden on carers has been discussed in recent years – but without being able to accurately estimate the potential for this kind of support. Whilst it is possible to find general key data for the full spectrum of caring activity, particularly about the tasks and roles performed, less seems to be known about people’s inroads to these activities and their motives. The role played by digitalisation, specifically, in this field seems insufficiently examined. Thus an exploratory review of literature was used as a starting point to ascertain existing findings and desirables for these aspects in order to then develop prospective lines of research. The care-related tasks and roles that people perform cover a vast spectrum. As in other contexts, people seem to offer care based on intrinsic motivation. There is evidence of a reflective turn towards more short-term involvement. Increasing digitalisation also seems to play a role in this respect, with digital allocation of assistants on matching platforms also taking off in the provision of care. The impacts of such digital pathways seem to cut both ways. There is need for research not only into the actual alleviatory effects anticipated from digitally aided allocation of helpers to households needing care or from incorporating willing volunteers into local care provision networks, but also into the potential downsides such as eliciting payment for effort or de-professionalising or ‘Uber’-ising professional care work.