Digitale Plattform zur Koordination ambulanter Pflegeangebote mit dem Bayerisch-Schwäbischen Innovationspreis Transfer ausgezeichnet
Wie kann die ambulante Pflege angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels zukunftsfähig gestaltet werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Projekt PIO Oberallgäu, das nun mit dem Bayerisch-Schwäbischen Innovationspreis Transfer 2026 ausgezeichnet wurde. Die Hochschule Kempten erhielt die Auszeichnung für die gemeinsam mit Partnern aus Verwaltung, Pflegepraxis und Wirtschaft entwickelte digitale Plattform, die die Koordination von Pflegeanfragen verbessert und die Versorgung im ländlichen Raum stärkt. Verliehen wurde der Preis am 22. Juni im Hochschulzentrum Vöhlinschloss in Illertissen. Unter dem Leitmotiv „Society meets Science“ würdigt er beispielhafte Kooperationen zwischen Hochschulen und außerakademischen Partnern, die innovative Lösungen mit gesellschaftlichem oder wirtschaftlichem Mehrwert entwickeln.
Digitale Unterstützung für Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegedienste
PIO Oberallgäu wurde vom Landratsamt Oberallgäu, ambulanten Pflegediensten der Region, der Care Pioneers GmbH und dem Bayerischen Zentrum Pflege Digital (BZPD) der Hochschule Kempten entwickelt. Die digitale Plattform ermöglicht ein strukturiertes Anfrage-Assessment für Pflegebedürftige, die zentrale Steuerung von Neuanfragen für Pflegedienste sowie ein datengestütztes Monitoring der regionalen Versorgungssituation. Dadurch werden Pflegekräfte entlastet, Angehörige unterstützt und Versorgungslücken frühzeitig sichtbar. Gleichzeitig entsteht eine belastbare Datengrundlage, die Kommunen und Entscheidungsträger bei der regionalen Versorgungsplanung unterstützt.
Gemeinsam für eine zukunftsfähige Pflegeversorgung
„PIO Oberallgäu zeigt beispielhaft, wie erfolgreicher Transfer gelingt: Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Praxis entwickeln gemeinsam Lösungen für konkrete gesellschaftliche Herausforderungen“, betonte Hochschulpräsident Prof. Dr. Wolfgang Hauke bei der Preisverleihung. „Das Projekt verbessert nicht nur die Koordination der ambulanten Pflegeversorgung, sondern schafft zugleich eine wertvolle Datengrundlage für die regionale Versorgungsplanung. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag, um die Pflege im ländlichen Raum zukunftsfähig zu gestalten. Ich freue mich sehr, dass dieses herausragende Engagement mit dem Bayerisch-Schwäbischen Innovationspreis Transfer ausgezeichnet wird. Mein besonderer Dank gilt allen beteiligten Partnern sowie dem Förderkreis für die Hochschule Kempten e. V., der die Auszeichnung ermöglicht.“
Das wissenschaftlich begleitete Modellprojekt gilt als Beispiel dafür, wie Forschungsergebnisse gemeinsam mit Praxispartnern in konkrete Anwendungen überführt werden können. Die entwickelte Lösung verbessert nicht nur bestehende Prozesse, sondern schafft zugleich die Grundlage für eine bedarfsgerechte und nachhaltige Pflegeversorgung in der Region.
Auszeichnung für gelebten Wissenstransfer
An dem Projekt beteiligt sind Anne Henning und Andrea Schmid (Landratsamt Oberallgäu), Philipp Zell und Melanie Philip (Care Pioneers GmbH) sowie Dr. Stefanie Sauter, Annika Hudelmayer, Dr. Tobias Wörle, Dr. Florian Fischer und Prof. Dr. Mario R. Jokisch vom Bayerischen Zentrum Pflege Digital der Hochschule Kempten. Neben PIO Oberallgäu wurden beim Bayerisch-Schwäbischen Innovationspreis Transfer 2026 auch das Projekt „GiFaTex“ der Technischen Hochschule Augsburg zur Nutzung recycelter Alttextilfasern in Gipsfaserplatten sowie das Projekt „stand-by.care“ der Hochschule Neu-Ulm ausgezeichnet, das ein intelligentes Assistenzsystem für mehr Sicherheit älterer Menschen im eigenen Zuhause entwickelt hat. Den mit 1.000 Euro dotierten Wirtschaftspreis der IHK Schwaben erhielt das Augsburger Projekt „DocPilot“, das die Dokumentation und Koordination beim Glasfaserausbau digitalisiert. Auch der mit 1.000 Euro dotierte Publikumspreis der Stadt Illertissen ging an DocPilot.
Preis für erfolgreiche Kooperationen
Der Bayerisch-Schwäbische Innovationspreis Transfer wurde 2024 von den Hochschulen Augsburg, Kempten und Neu-Ulm gemeinsam mit dem Hochschulzentrum Vöhlinschloss ins Leben gerufen. Die Auszeichnungen sind jeweils mit 3.000 Euro dotiert und werden von den Fördervereinen der beteiligten Hochschulen gestiftet. Die Auszeichnung der Hochschule Kempten wird vom Förderkreis für die Hochschule Kempten e. V. ermöglicht. Ziel des Innovationspreises ist es, erfolgreiche Kooperationen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft sichtbar zu machen und den Wissens- und Technologietransfer in der Region zu stärken.
Foto: Verleihung des Innovationspreises Transfer 2026 der Hochschule Kempten an das Projekt „PIO Oberallgäu“; v.l.n.r.: Prof. Dr. Martin Steyer, Dozent für Konstruktion und Werkstoffe im Studiengang Systems Engineering an der Hochschule Kempten, Natalie Schirmer, Stabsstelle Wissens- und Technologietransfer, Volker Wiegand, Präsident des Förderkreises der Hochschule Kempten, Prof. Dr. Mario Jokisch, wissenschaftliche Leitung des Bayerischen Zentrums Pflege Digital, Annika Hudelmayer, Dr. Stefanie Sauter (beide wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Bayerischen Zentrum Pflege Digital), Anne Henning, Fachstelle Senioren am Landratsamt Oberallgäu, Prof. Dr. Regina Schreiber, Vizepräsidentin für Forschung und Transfer der Hochschule Kempten, Dr. Tobias Wörle, Leiter Abteilung 2 Koordinierte Pflege und Sorge am Bayerischen Zentrum Pflege Digital, Prof. Dr. Wolfgang Hauke, Präsident der Hochschule Kempten. Bildnachweis: Hochschule Neu-Ulm