Erste Konferenz im deutschsprachigen Raum bringt internationale Forschungsbeiträge zusammen
Wie lassen sich Computerspiele einsetzen, um psychologische Fragestellungen wissenschaftlich zu untersuchen? Dieser Frage widmete sich die erste „PsyGames 2026 – Psychology via Games“ der Hochschule Kempten. Unter Leitung von Prof. Dr. Tobias C. Breiner brachte die Online-Konferenz Forschende aus Deutschland, Österreich, Brasilien, Argentinien und Australien zusammen. PsyGames beschäftigt sich erstmals im deutschsprachigen Raum systematisch mit maßgeschneiderten Computerspielen als Forschungsinstrument in der Psychologie.
Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Frage, wie Games gezielt als Forschungsumgebung genutzt werden können, um Wahrnehmung, Verhalten und Entscheidungsprozesse experimentell zu untersuchen. Anders als bei Arbeiten zur Psychologie des Game Designs dienen die Spiele dabei selbst als Instrument der Forschung.
Auch die internationale Zusammenarbeit prägte das Format. Vorträge und Diskussionen fanden auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch statt. Automatisch übersetzte Untertitel ermöglichten es den Teilnehmenden, den Beiträgen in ihrer jeweils bevorzugten Sprache zu folgen. Auf diese Weise nutzte PsyGames digitale Übersetzungsmöglichkeiten konsequent für einen mehrsprachigen wissenschaftlichen Austausch.
„Die Beiträge zeigen, welche unterschiedlichen psychologischen Fragestellungen sich mit spielbasierten Untersuchungsansätzen bearbeiten lassen“, sagt Prof. Dr. Tobias C. Breiner, Professor für Game Engineering an der Hochschule Kempten und Initiator der Konferenz.
Das Spektrum der vorgestellten Arbeiten reichte von Wahrnehmung und Emotion über Entscheidungsverhalten bis hin zu Fragen der Emotionsregulation. Eine an der Hochschule Kempten entstandene Studie untersuchte beispielsweise, welchen Einfluss die verwendete Sprache auf die Wahrnehmung von Farbnuancen haben kann. Eine weitere Arbeit ging in einer spielbasierten Rennsimulation der Frage nach, ob unterschiedliche Fahrzeugfarben das Fahrverhalten beeinflussen.
Weitere Beiträge beschäftigten sich unter anderem mit dem Computerspiel „Overcooked“ im Zusammenhang mit Emotionsregulation, mit emotionaler Granularität, subliminalem Priming, Flow und Eskapismus sowie mit der Wahrnehmung von Gesichtern, Formen und Tonfolgen.
Alle eingereichten wissenschaftlichen Beiträge durchliefen ein anonymisiertes Double-Blind-Peer-Review-Verfahren. Die Gutachter arbeiteten unabhängig voneinander und kannten sich untereinander nicht. Dadurch sollte eine gegenseitige Beeinflussung vermieden werden. Aus der Konferenz sind begutachtete Veröffentlichungen in einer deutschen und einer englischen Ausgabe des Tagungsbandes hervorgegangen. Die Beiträge sind mit eigenen DOI-Nummern dauerhaft wissenschaftlich zitierbar und kostenfrei zugänglich.
Nach der Premiere soll PsyGames künftig im zweijährigen Rhythmus stattfinden. „Mit PsyGames möchten wir den Austausch über spielbasierte Forschungsmethoden weiterführen und Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenbringen“, so Breiner.
Die beiden Tagungsbände sowie weitere Informationen zur Konferenz sind unter www.hs-kempten.de/psygames abrufbar.